Brahms sei Dank!

Die Klarinettenkompositionen Bruchs und Brahms im Kontext musikgeschichtlicher Entwicklungen


Max Bruchs Klarinettenkompositionen spielen sicherlich innerhalb seines Spätwerks aber auch innerhalb seines gesamten kammermusikalischen Schaffens eine zentrale Rolle. Seine Beschäftigung mit der Klarinette als Soloinstrument wurde möglicherweise durch eine in Vergessenheit geratene, von ihm selbst autorisierte Bearbeitung seiner Cello-Canzone op. 55 von 1890 begründet. Dieses Arrangement wurde von Traugott Gentzsch, seinerzeit Soloklarinettist des Gewandhausorchesters in Leipzig und Professor der Leipziger Musikhochschule, angefertigt und wenige Monate vor dem Erscheinen des Brahmsschen Trios op. 114 und des Quintetts op. 115 bei Breitkopf und Härtel veröffentlicht. Abgesehen von dieser bisher eher wenig beachteten Bearbeitung gehören insbesondere seine Acht Stücke op. 83 zu den wenigen Kammermusikwerken Bruchs, die seit der Komposition um 1908 sehr häufig in verschiedenen Besetzungen aufgeführt (die Stücke wurden in einer Frühfassung bei einer ersten Aufführung in Bonn teils mit Klarinette, Viola und Harfe gespielt) werden. Bruchs späte Beschäftigung mit der Klarinette soll im Folgenden erklärt werden; steht diese doch auch in engem Zusammenhang mit der musikgeschichtlichen Entwicklung der Holzblasinstrumente:


Die Klarinette ist das jüngste Holzblasinstrument des Orchesters und das 19. Jahrhundert wird auch gerne und sehr euphorisch als das "Goldene Zeitalter" dieses Instruments bezeichnet. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die konzertante Sololiteratur für die Klarinette eine Blüte: Zahlreiche Virtuosen komponierten entweder selbst Werke für die Klarinette als eigene Gebrauchs- oder Unterhaltungsmusik oder pflegten eine enge Verbindung zu einem Komponisten, der sie mit neuen Konzerten und Solostücken bedachte. Werke wie zum Beispiel Carl Maria von Webers Klarinettenkonzerte, die für den Virtuosen Heinrich Josef Baermann komponiert wurden, Louis Spohrs vier Klarinettenkonzerte (Simon Hermstedt gewidmet) sowie Kompositionen von Franz Krommer und dem finnischen Komponisten Bernhard Henrik Crusell wurden in der kurzen Zeitspanne von etwa 1809 bis 1820 komponiert.


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