Kaleidoskop der Emotionen

Robert Schumanns„Soiréestücke“ op. 73

„Ein schwärmerisches Aufgeregtsein, bald von melancholischem Hauche angeweht, bald zu jubelnden Freudenklängen sich steigernd – das ist wohl der Charakter vorliegender Phantasiestücke. Es sind deren drei, die zwar in sich abschließen, die aber der Verfasser durch ein attacca in nähere Verbindung gebracht wissen will. Dieses, so wie Manches im Ausbau der einzelnen Sätze, z. B. die vorherrschende Triolenbewegung und die Gleichheit der Ton- und Tactart in allen drei Stücken (sämmtlich in A-Dur 4/4 Tact), consolidiert sie zu einem Ganzen von einer Gleichmäßigkeit der Stimmung, der eine Intention zu Grunde liegt, wie es scheint. Daß diese Uniformität nicht in Monotonie ausartet, versteht sich wohl bei einem Componisten wie Schumann von selbst. Es will uns fast scheinen, als habe er die einmal angeregte Stimmung so recht ausbeuten wollen, als habe er allen nur möglichen psychologischen Momenten innerhalb derselben nachgespürt – und das ist ihm wohlgelungen ...“

So urteilte Eduard Bernsdorf, Rezensent der Neuen Zeitschrift für Musik, wenige Monate nach ihrem Erscheinen über jene Werke für Klarinette und Klavier op. 73, die der 1810 zur Welt gekommene Robert Schumann Anfang 1849 – und damit in seinem nach eigener Aussage kompositorisch fruchtbarsten Jahr – in Dresden auf Notenpapier gebannt hatte. Das erste Stück dieses Zyklus vollendete der Tondichter am 12. Februar 1849, bereits am Tag darauf waren auch die Nummern zwei und drei fertig gestellt. Entzückt scheint übrigens auch Roberts Ehefrau Clara von den im Autograph zunächst als „Soiréestücke für Clarinette und Pianoforte“ titulierten „Phantasiestücken“ op. 73 gewesen zu sein, nahm sich die gefeierte Pianistin doch bereits sechs Tage nach deren Vollendung zusammen mit dem aus Reihen der Königlichen Kapelle in Dresden stammenden Soloklarinettisten Johann Gottlieb Kotte dieser Novität ihres Mannes (wenn auch zunächst lediglich im Rahmen einer Probe) an.