Max Bruchs Doppelkonzert für Klarinette und Viola op. 88

Viele Musiker kennen das Problem: Das Auffinden des Orchestermaterials selten gespielter Sololiteratur für Bläser gestaltet sich zum Teil äußerst schwierig. Bedauerlicherweise werden deshalb sehr viele Kompositionen – unter ihnen auch das Doppelkonzert für Klarinette und Viola von Max Bruch¹ op. 88² – nur selten zur Aufführung gebracht. Dieser Umstand könnte unglücklicher nicht sein, denn auf der einen Seite gewinnt das Publikum den Eindruck, dass die Klarinette – abgesehen von den wundervollen Konzerten Mozarts und Webers – über kein nennenswertes Solorepertoire verfügt, auf der anderen Seite werden sowohl Klarinettisten als auch dem Publikum zum Teil sehr interessante Kompositionen vorenthalten.

Ohne Zweifel stellt Bruchs Doppelkonzert eine wertvolle Bereicherung des romantischen Solo-Repertoires für beide Instrumentalisten dar, das von einem namhaften Komponisten seiner Zeit geschrieben wurde. Beim unvoreingenommenen Zuhören erkennen wir ein hochromantisches Werk für eine ungewöhnlich solistische (und sogar orchestrale³) Besetzung, die es in jedem Fall verdient hat, regelmäßig von Profi- sowie Laienensembles aufgeführt zu werden. Zusätzlich bietet das vom Komponisten selbst angefertigte Arrangement der Klarinettenstimme für Violine eine äußerst reizvolle Besetzungsalternative.

Nichtsdestotrotz führte das Doppelkonzert des rheinischen Komponisten seit seiner Entstehung vor genau einhundert Jahren ein Schattendasein, was vor allem auf den anachronistischen Charakter des Werks zurückzuführen ist. Max Bruch war ein konservativer Komponist, ein Bewunderer und Verehrer der Werke Robert Schumanns und Felix Mendelssohns. Er schrieb das Doppelkonzert, das am Ende einer langen Reihe von Solokonzertwerken steht, im Alter von dreiundsiebzig Jahren ganz im Stil seines mehr als vierzig Jahren zuvor komponierten und äußerst populären ersten Violinkonzerts in g-moll, das seinen Weltruhm 1868⁴ begründete. Es finden sich darin sogar mehrere Zitate und Anklänge an Bruchs frühere Werke,wieder, wie etwa seine fünf Jahre zuvor komponierte zweite Orchestersuite⁵.

Doch in der Zwischenzeit hatte sich die Musik weiterentwickelt und nicht nur die Komponisten der Zweiten Wiener Schule suchten nach neuen musikalischen Formen und Möglichkeiten, was zur Folge hatte, dass das „unmoderne“ Doppelkonzert rasch in Vergessenheit geriet. Bruch, der zu Lebzeiten hauptsächlich für seine Chor- und Vokalkompositionen bekannt war und stets beteuerte, im Schatten Johannes Brahms zu stehen, war ein Traditionalist und verteidigte seine romantische Kunstauffassung resolut und kompromi